Trans*

Seit zehn Jahren arbeite ich stimmtherapeutisch mit Transfrauen, damit die Stimme schließlich nicht das Merkmal bleibt, an dem ihr Werdegang zu erkennen ist. Für den Kehlkopf selbst ist das eine große Herausforderung; mir ist dabei sehr wichtig, die physiologischen Gegebenheiten zu beachten, um so langfristige Erfolge zu erreichen. Zur Stimmerhöhung kommen Wortwahl, Sprachmelodie und verbaler Ausdruck; aber auch der nonverbale Ausdruck spielt eine große Rolle. Gestik, Mimik, die ganzkörperliche Bewegung, der Gang und der Blick werden bei meiner Arbeit mitberücksichtigt. Bei der Bewegungsschulung bildet das Konzept Schlaffhorst-Andersen eine wichtige Grundlage, ergänzt durch Elemente aus der Theaterpädagogik.

Der Prozess, den Cis-Frauen (im Frauenkörper geborene Frauen) bereits in der Kindheit, Pubertät und Adoleszenz durchlaufen, muss bei Transfrauen später und zügiger nachgeholt werden. Hierfür biete ich im Rahmen meiner Möglichkeiten Begleitung an und gebe Feedback zu Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Als Sprechtrainerin liegt mir auch der Unterschied zwischen der typisch männlichen und typisch weiblichen Sprachmelodie und Wortwahl am Herzen. Ausgehend von gängigen Rollenklischees ist mir das Entdecken des individuellen Ausdrucks wichtig.

Auch Transmänner werden von mir stimmlich geschult. Die Therapie unterscheidet sich natürlich, ob vor der Einnahme von Hormonen gearbeitet wird oder ob bereits das Testosteron seine Wirkung entfaltet. Anders als bei den Transfrauen hat die Gabe von Hormonen bei Transmännern eine Auswirkung auf die Stimme, nämlich stimmvertiefend; meine Arbeit besteht dann ergänzend in der Stabilisierung der neuen Stimmfarbe, der Wortwahl und der Sprachmelodie. Bei Bedarf fließen natürlich auch in diese Therapie Feedback zu Ausdruck und Bewegung mit ein. Wichtig ist mir in jedem Fall, dass die Arbeit stets individuell verläuft.

Erweitert wird meine Arbeit durch das Konzept der LaKru-Stimmtransition, welches eine wunderbare Ergänzung zu meiner bisherigen Arbeit liefert. Dabei werden die an der Stimmgebung beteiligten Muskeln sehr fein und präzise trainiert, so dass die gesunde Stimme einen anderen Klang bekommen kann als den, der von der Ausgangslage vorgegeben wird. Ein ursprünglich männlicher Kehlkopf kann so lernen, eine weiblichere Stimme zu erzeugen, ein ursprünglich weibliches Stimmorgan kann einen männlicheren Klang bekommen.

Die Stimmtherapie kann in Eppendorf (privat und alle Kassen) stattfinden oder auch in Bergedorf (nur privat).